Forderungen zum Frauenstreik 2026

Gemeinsam für mehr Gleichstellung*!

Tiefe Löhne rauf!

Löhne in frauendominierten Berufen sind skandalös tief. Im Allgemeinen verdient mehr als die Hälfte der Frauen verdient weniger als 4’200 Franken pro Monat (auf 13 Monate), ein Viertel sogar 2’500 Franken oder weniger. Das liegt nicht nur am Teilzeitpensum – es ist strukturelle Diskriminierung: frauendominierte Berufe werden systematisch schlechter entlöhnt, Berufserfahrung und Dienstalter zahlen sich für Frauen weniger aus. Dazu kommt: Frauen erhalten seltener einen 13. Monatslohn, was ihre finanzielle Lage zusätzlich belastet. Selbst mit Lehrabschluss und 13. Monatslohn verdienen vier von zehn Frauen weniger als 5’000 Franken pro Monat.

Statt endlich gegenzusteuern, will die bürgerliche Mehrheit im Parlament die kantonalen Mindestlöhne aushöhlen – eines der wirksamsten Instrumente gegen Frauenarmut. In Genf etwa hat der kantonale Mindestlohn den Anteil der Frauen unter der Lohnschwelle in nur zwei Jahren halbiert. Wir kämpfen mit aller Kraft gegen die Schwächung der kantonalen Mindestlöhne. Gemeinsam mit der feministischen Bewegung fordern wir eine generelle Aufwertung der Löhne in frauendominierten Berufen: mindestens 4’500 Franken für alle, mindestens 5’000 Franken mit Lehrabschluss.

Lohndiskriminierung beenden

Frauen verdienen in der Schweiz im Schnitt 1’364 Franken weniger pro Monat als Männer – das sind 16,2% weniger. Fast die Hälfte dieser Lücke lässt sich nicht erklären und zeigt auf eine illegale Diskriminierung hin. Trotzdem erfüllt mehr als die Hälfte der Schweizer Unternehmen die gesetzliche Pflicht zur Lohnanalyse nicht. Eine externe Evaluation vom März 2025 zeigt: Die Analysen sind oft lückenhaft oder gar nicht vorhanden.

Das Gleichstellungsgesetz bleibt wirkungslos. Das Parlament verweigert seit Jahren wirksame Massnahmen. Wir fordern verbindliche Kontrollen für alle Unternehmen, regelmässige und obligatorische Lohnanalysen sowie eine klare gesetzliche Pflicht zum Handeln, wenn Ungleichheiten festgestellt werden. Wer diskriminiert, muss Konsequenzen spüren.

Gesundheit vor Profit

Frauen in der Schweiz sind am Arbeitsplatz einer Vielzahl von physischen und psychosozialen Risiken ausgesetzt – oft stärker als Männer. 43% der Frauen sind mindestens drei physischen Risiken gleichzeitig ausgesetzt: schmerzhafte Körperhaltungen, schwere Lasten heben oder tragen, repetitive Bewegungen. Jede vierte Frau arbeitet im Gesundheits- und Sozialwesen, wo diese Risiken besonders verbreitet sind.

Dazu wächst der Stress – und er trifft Frauen stärker. Andere frauenspezifische Gesundheitsprobleme, wie beispielsweise Wechseljahrbeschwerden sind am Arbeitsplatz weitgehend tabu. Statt die Schutzbestimmungen zu stärken, hat der Bundesrat sie in den letzten zehn Jahren schrittweise abgebaut: Die Zahl der Bewilligungen für Nacht- und Sonntagsarbeit hat sich zwischen 2010 und 2019 fast verdoppelt, Ruhezeiten wurden verkürzt. Jetzt droht ein neues Gesetz, das die bewilligungsfreien Sonntagsöffnungen verdreifacht. Immer mehr Frauen haben Mühe, Beruf und Privatleben zu vereinbaren – und das Parlament will die Ruhezeiten weiter kürzen.

Für uns ist klar: Gesundheit geht vor Profit. Arbeitszeiten müssen mit dem Privat- und Familienleben vereinbar sein.

Kinderbetreuung ausbauen

Im internationalen Vergleich hinkt die Schweiz bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf stark hinterher. Gemäss UNICEF gehört die Schweiz zu den drei Ländern mit den höchsten Kinderbetreuungskosten für Familien mit mittlerem Einkommen. Nach jahrelangen Debatten hat das Parlament zwar eine Betreuungszulage beschlossen, die direkt an Eltern ausbezahlt wird – für Kinder bis acht Jahre in institutioneller Betreuung. Aber der Bund zieht sich vollständig aus der Finanzierung zurück und überlässt sie den Kantonen. Gleichzeitig werden die Bundesbeiträge für den Ausbau von Betreuungsplätzen, die seit über 20 Jahren laufen, reduziert.

Wir kämpfen dafür, dass alle Kantone eine soziale Finanzierung der Betreuungszulage einführen und die Kinderbetreuung als öffentliche Dienstleistung ausgebaut wird: flächendeckend, qualitativ hochwertig – und wie die Schule gratis für alle Eltern.

Nulltoleranz für sexuelle Belästigung

Die Zahl der Femizide in der Schweiz ist inakzeptabel. Und auch am Arbeitsplatz sind Frauen Gewalt und sexueller Belästigung ausgesetzt. Eine Studie des Seco und des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) aus dem Jahr 2024 zeigt: Jede zweite Erwerbstätige hat am Arbeitsplatz bereits sexuelle oder sexistische Belästigung erlebt. Frauen sind nicht ausreichend geschützt – mit direkten negativen Folgen für ihre psychische und physische Gesundheit.

Jetzt muss gehandelt werden: Das Parlament hat die Möglichkeit, ein klares Signal zu setzen, indem es die Ratifizierung der ILO-Konvention 190 zur Beseitigung von Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt genehmigt – so wie alle unsere Nachbarländer es bereits getan haben.

Wir fordern ausserdem eine erleichterte Beweislast bei sexueller Belästigung nach dem Gleichstellungsgesetz sowie vom Bund finanzierte, proaktive Kontrollen der Schutzbestimmungen durch die Arbeitsinspektorate in der ganzen Schweiz. Sichere und respektvolle Arbeitsplätze für alle – jetzt!

Gleichstellung ist noch lange nicht erreicht. Deshalb mobilisieren wir uns und fordern von Arbeitgebern und Politik Massnahmen, damit eine echte Gleichstellung endlich verwirklicht wird.

* Wir engagieren uns für die Gleichstellung von Frauen und LGBTIQ Personen im Erwerbsleben. Leider fehlen statistische Daten zu den spezifischen Diskriminierungen von LGBTIQ Personen im Erwerbsleben weitgehend. Deshalb erwähnen wir in unserem Argumentarium die bekannten Fakten zur Situation der Frauen. Wir gehen davon aus, dass LGBTIQ Personen ähnliche Diskriminierungen erleben.